Überwinde es durch das Gute (Römer 12,21)

Friede sei mit Dir und mit Deinem Geiste.

Es gibt viele Handlungsalternativen, mit Problemen, Konflikten, Krankheiten, Hindernissen und Schwierigkeiten umzugehen. Der Königsweg ist das Gute nach dem Brief des Paulus an die Römer, Kapitel 12,21

Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern überwinde es durch das Gute!

Was immer auch geschieht, es liegt an uns, wie wir reagieren. Bleiben wir in der Liebe oder gehen wir in den Kampf? Eines können wir ganz intensiv wissen: Kein Mensch ist böse, denn er ist von Gott geschaffen. Böse ist nur der, der von ihm Besitz ergriffen hat, Besitz ergreifen konnte. Mir zeigt sich immer mehr, dass dessen Einfallstor in den Menschen die Schuld ist. Unsere eigene Schuld aus jeglicher Lieblosigkeit oder die übertragene Schuld von unseren Vorfahren, die sich durch Erziehung in uns manifestiert oder die aus Verletzungen jeder Art entsteht. Ist Schuld in uns, so ist dies der Punkt, wo der Angriff oder die Versuchung (süßer Anfang mit unangenehmem Ausgang) erfolgt. Hierin zeigt sich auch, warum die unbefleckte Geburt eine so entscheidende Voraussetzung war. Ebenfalls zeigt sich so unsere Verantwortung in der Erziehung unserer Kinder, in unserem Lebenswandel, in unserer Vorbildfunktion, damit wir sie nicht belasten und so vor geistiger Infiltration und Angriffen des Bösen besser zu schützen.

In uns selbst liegt die Verantwortung zur Umkehr, zur immer weiteren Befreiung von lieblosem Denken, Wort und Handeln, damit wir weder bei Anderen noch bei uns diese Einfallstore öffnen. Durch das Gute, durch friedfertige Kommunikation, durch Verzeihen, Versöhnen, Umkehr, Reue, Beichte, Sühne, Fürbitte für den Anderen statt Streit, der uns unser Leben schwer machen mag, ja LIEBE ohne Ende schließen wir diese Tore wieder. In jeder Generation bietet sich die Möglichkeit, eine von unseren Vorfahren heruntergereichte Schuld durch Abkehr, Umkehr, Einsicht, Reue und Wiedergutmachung endgültig in unserem Familiensystem zu tilgen. Mehr noch, es ist dringend angeraten, sich in Zukunft gar nicht erst auf das „Spielfeld des Bösen“ begeben, denn das Böse hat dort die Meisterschaft, die meiste Erfahrung und wird auch nur jedes Mal über uns gewinnen. Vergessen wir auch nie, dass es Gnade gibt, Gnade in Fülle, die wir zum Wirken einladen können.

Jesus sagt in der Bergpredigt: Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2.Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will. Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. (Mt 5, 38 – 48)

Was können wir also tun? Wie macht man das denn:

  1. Die Grundlage ist Bewusstheit des Guten und Klarheit in uns. Ein Innehalten schon im Entstehen von Konfliktsituationen kann uns dies verschaffen. „Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum.“ (Victor Frankl) In diesem Raum liegt Ihre Freiheit zu einer guten Entscheidung.
  2. Wir brauchen liebevolle Konsequenz und freundliche Entschlossenheit, im Guten zu bleiben, diesen Raum auch stets zu nutzen.
  3. Dazu gehört Kompromisslosigkeit mit dem Bösen, sich gar nicht mehr darauf einlassen, und das beginnt schon in den Gedanken, die ja meist Grundlage für Worte und Taten sind. Wir können den Heiligen Geist um Reinigung und Schutz unseres Geistes bitten.
  4. Bleiben wir in Wahrheit und Wahrhaftigkeit, auch eigene Fehler bzw. eigene Beteiligung nicht zu übersehen, denn nur hier sind wir tatsächlich handlungsfähig und zuständig, verantwortlich = zu einer Antwort fähig. Dies ist der Acker, den wir zu bestellen haben.
  5. Es kann keinen direkten Kampf, keine Gewalt geben, nicht in uns selbst und mit unserem eigenen „Schweinehund zu dem Thema“, nicht mit einem Anderen.
  6. Die Hilfe kommt von Gott durch seine Gnade und seine Geist. „Die Rache ist mein“ spricht der Herr. Wir sollen uns nicht durch Rachenehmen selbst wieder dem Bösen preisgeben und Türen dabei öffnen. Gott führt alles zum Guten (Römer 8,28).
  7. Erbitten wir Erfüllung durch den Heiligen Geist für alle, die uns das Leben schwer machen und uns selbst, bitten wir um Segen für alle Beteiligten inklusive möglicher Dämone dieser Menschen. Bitten wir darum, dass wir alle im Guten wachsen und einander wohlwollend gegenübertreten. Und den Rest überlassen wir Gott.

„Die Schlange“ will sich immer weiter in unserem Leben ausdehnen. Wir erfahren etwas Unerfreuliches, sehen uns als Opfer und den anderen als Täter. Und der Andere sieht das wahrscheinlich genau andersherum, sich selbst als Opfer und den Nächsten als Täter. Das sollen wir zurückgeben und zusätzlich an unsere Umgebung, unseren Nächsten weitergeben – das ist das Spielfeld des Bösen.

So hätte sie es gern: dass sich das Böse ausbreitet, wie ein Ping-Pong-Effekt.

Wir können anders handeln. Wir müssen dieses Spielfeld nicht betreten. Wir können den uns zugespielten Ball auch „durch uns hindurchgeben“ – „perdonar““ – wie es im Spanischen heißt für „vergeben“. Durch uns hindurchreichen, nichts zurückbehalten und weiter an Gott, der es uns abnimmt. Damit kommen wir aus dem Opfer-/Täter-Ding raus und sehen den Anderen wie uns selbst einfach als Mensch und Bruder/Schwester (mit dem Dreifaltigkeitssymbol meine ich Gott an unserer Seite).

Geben wir einfach das Unerfreuliche durch uns hindurch, überlassen wir es Gott zur Wandlung. So kann das Böse mehr und mehr unsere Welt verlassen.

Dieses bedeutet nicht, dass wir jede Kröte schlucken müssen, das bewirkt ja oft, dass uns mehr davon präsentiert wird. Die Kröte dürfen wir ablehnen. Ein Nein ist eine zulässige Antwort. Ermahnung gehört auch zur Barmherzigkeit und ist als Correctio Fraterna – die geschwisterliche Ermahnung alte monastische Tradition. Heutzutage gibt es z.B. die gewaltfreie Kommunikation (nach M. Rosenberg). Und schlussendlich – der Ton macht die Musik. Halten Sie es wie der Heilige Patrick von Irland – vertreiben sie die Schlangen von der Insel Ihres Lebens. Viel Glück dabei!

Wicklow Way, Glendalough Valley Irland

Postkarte Glendalough Valley Römer 12-21